Zum Tod de Frank Stella

Zum Tod de Frank Stella
Zum Tod de Frank Stella
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Der 1936 geborene Frank Stella war der Picasso der erzählenden Abstraktion und der Minimal Art. Wohl kein Künstler hat in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts mehr an extremen Stilwechseln vollzogen und dabei für andere Maler inspirierende Konzepte entwickelt. Zu Recht hat ihn Barack Obama 2010 als einen der „weltweit innovativsten Maler und Bildhauer“ mit der National Medal of Arts“ ausgezeichnet.

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Aus der Rückschau sind dabei viele der Suchbewegungen Stellas als Ausgleichsprozesse zu erkennen: Die „schwarzen Bilder“ der späten Fünfzigerjahre, die innerhalb der mit gleichmäßigem Farbauftrag gewissermaßen maschinell gemalten Flächen dennoch immer differenzierte geometrische Elemente erkennen ließen, folgten auf ihr genaues Gegenteil, den mit großer Geste gemalten abstrakt expressionistischen Bildern etwa eines Jackson Pollock.

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Schreiend bunte Farbfeldmalerei

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Mit der paritätischen Würdigung Stellas als Maler und Bildhauer lag Barack Obama ebenfalls richtig, denn ab 1960 wechselte der Künstler in seiner Reihe der „Aluminium and Copper Paintings“ das Material seiner Malerei, die durch warm schimmernde Kupferoberflächen und kühl glänzende und in Falten aufgeworfene Aluminiumreliefs zu einer Art Landschaftsmalerei aus Metall kristallisierte.

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Obama überreicht Frank Stella 2009 de la Medalla Nacional de las ArtesAP

Auf die Hybridform der Metallreliefs folgte dann abermals als Ausgleichsprozess eine bisweilen schreiend bunte Farbfeldmalerei. Die Serie der „Benjamin Moore Paintings“, halbironisch dem großen amerikanischen Farbenhersteller des neunzehnten Jahrhunderts gewidmet, offenbarten auch Stellas luziden Humor, an dem sich jeder erfreute, der ihn kennenlernen durfte.

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Die Gefahr der Beliebigkeit der reinen Form

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Warum Stella zu den Hauptvertretern der sogenannten Analytischen Malerei und des Hard Edge zählt, erklärt sich nicht zuletzt durch sein Studium der Geschichte in Princeton und insbesondere bei dem Kunsthistoriker der Moderne William C. Seitz. Beides befähigte ihn, der Gefahr der Beliebigkeit der reinen Form durch deren Verankerung in der Geschichte zu begegnen. Die seit den Achtzigerjahren bunt lackiert und anarchistisch wild in den Raum ausgreifenden Metallreliefs etwa der „Moby-Dick“-Serie sind herausragende Beispiele einer abstrakten Kunst, die sich vom Text Herman Melvilles inspirieren ließ, ohne auch nur an einer Stelle illustrativ zu wirken. Die sich wie Papier einrollenden Blechformationen spiegeln psychische Energien von Captain Ahabs Jagd auf den weißen Wal wieder, die martialische Variante der Romantiker-Suche nach der blauen Blume.

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Und auch Stellas Großskulptur „Prinz Friedrich von Homburg. Ein Schauspiel, 3X“ vor der National Gallery of Art in Washington zeugt nicht nur von der Auseinandersetzung mit Heinrich von Kleist, sondern mit literarischen Elementarstoffen der Lebensbewältigung überhaupt. Stella nannte seine Skulpturen „bewohnbare Illusionen“, dreidimensionale Formen, die der Phantasie vor Unbilden Schutz bieten.

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Auch in Deutschland konnte man diese Formsuche in der Geschichte durch Stellas Präsenz in Galerien seit den Sechzigern verfolgen; dank der Sammeltätigkeit Erika Hoffmanns finden sich heute etwa entscheidende Reliefarbeiten Stellas in Dresden. Vor allem aber besitzt Jena durch die Überzeugungsarbeit des Kunsthistorikers Franz-Joachim Verspohl, Lehrstuhlinhaber in der thüringischen Universitätsstadt, gegenüber Lothar Späth, dem damaligen Firmenchef von Carl Zeiss, die meisten Skulpturen Stellas in Deutschland. Der Innenhof des ehemaligen Zeiss-Hauptwerks in Jena mit den fünf großen Metallskulpturen der Serie „Hudson River Valley“ ist ein würdiges Stella-Memorial. Am Samstag ist Frank Stella im Alter von 87 Jahren in New York gestorben.

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